So legst du neue Beete an – ohne umzugraben

Nachdem wir uns mit verschiedenen Anbautechniken beschäftigt haben und Informationen beispielsweise bei Wolf Dieter Storl oder Market Gardening-Experten wie Jean-Martin Fortier eingeholt hatten, stießen wir auf eine Methode, die sich „No Dig“ nennt. Aus dem Englischen übersetzt heißt das nichts anderes als „Nicht umgraben“. Charles Dowding ist einer der bekannten Vertreter dieser Methode und wir waren hingerissen – von seiner ruhigen Art, der Schönheit seines Gartens „Home Acres“ und der Einfachheit seines Anbaustils.

Mit Kompost ein neues Beet anlegen

Egal, auf welchem Untergrund oder auf welcher Bodenqualität du zukünftig anpflanzen willst, mit dieser Methode wirst du Erfolg haben, wenn es sich nicht gerade um eine betonierte Autobahn handelt (und selbst da würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen, dass es nicht funktioniert;)). Von Gras über Moos; von lehmigen über eher sandige Böden – all das macht keinen Unterschied: Kompost drauf und los gehts.

Etwas genauer will ich dann schon noch werden: Dort, wo dein erstes Beet zukünftig sein soll, verteilst du eine ungefähr 15 cm hohe Kompostschicht. Wir halten die meisten unserer Beete (außer die Kräuterbeete) rechteckig, gleich breit und möglichst gleich lang. (Warum das so ist, kannst du in unserem Artikel über Pflanzenschutz nachlesen). Natürlich gibt es aus organisatorischen Gründen auch bei uns im Garten immer wieder Ausnahmen. Je nachdem womit du dich wohler fühlst (das wird sich vielleicht auch im Laufe der Zeit verändern) schlagen wir dir vor, deine Beete zwischen 75 cm und 120cm breit anzulegen. Die Wege sind bei uns ungefähr 50cm breit, was wiederum mit dem Pflanzenschutz zu tun hat.

Zu Beginn haben wir die Wege zwischen den Beeten mit Hackschnitzeln ausgelegt. Mittlerweile sind wir aus Mangel an genügend Hackschnitzeln dazu übergegangen, auf sehr breiter Fläche den Kompost aufzubringen und die Beete dann durch „Platttreten“ des Komposts voneinander zu trennen.

Die Beetränder (in unserem Fall zur Wiese hin) stechen wir ab, damit das Gras kein zu einfaches Spiel hat und unsere Beete überrennt.

Um deine Beete nun Jahr für Jahr mit frischem Gemüse beleben zu können, verteilst du jedes Jahr (wir machen das im Winter, sobald Beete frei werden) eine ca. 2 cm- Schicht Kompost auf darauf.

Links im Bild: Neu angelegte Beete

Vorteile des Anbauens ohne umzugraben

Wer einmal eine Grasnabe abgestochen oder ein tieferes Loch in die Erde gebuddelt hat, der wird vielleicht gesehen haben, dass der Boden in feinen Lagen aufgeschichtet ist. Jede dieser Schichten ist belebt von verschiedenen Organismen. Grabe ich um, bringe ich diese Schichten, also auch das Zuhause dieser Lebewesen immer wieder durcheinander. Ich mache ihnen das Leben schwer. Mit unserer Methode kann alles an Ort und Stelle bleiben. Durch den oben aufgebrachten Kompost sorgst du für Futter zum Beispiel für die Würmer, deren Ausscheidungen wiederum Futter für unsere Pflanzen darstellen. Klassische Win-Win-Situation würde ich sagen.

Nicht nur für die Natur, in der wir uns mit unserem Garten bewegen werden, ist es von großem Vorteil, nicht umzugraben und stattdessen Kompost zu verteilen: Auf einem Kompostbeet brauchst du kein „Betreten Verboten“-Schild anzubringen. Falls du nämlich für die Ernte oder das Jäten auf das Beet musst, ist das kein Problem. Kompost-Beete können das ab. Bodenverdichtung ist hier nicht zu befürchten. Die Arbeit mit Kompost erleichtert dir außerdem das Jäten enorm. Auf unseren Beeten ist hauptsächlich die Winde und das Fünffingerkraut anzutreffen. Was sich sonst noch durch die Kompostschicht quält, ist kaum der Rede wert.

Winde im Knoblauchbeet

Was andere (zum Beispiel Permakulturgärtner) versuchen mit Pflanzenresten zu lösen, regeln wir mit Kompost. Wir schließen den Kreislauf: Dem Garten / dem Boden führen wir dadurch zu, was die Pflanzen durch ihr Wachstum entnommen haben. Das wiederum brachte uns zu dem Punkt, Fruchtfolge erstmal Fruchtfolge sein zu lassen und zu versuchen, einige der Pflanzen wieder an derselben Stelle anzubauen. Auch die Beobachtung einiger Gemüsesorten und ihrer Samenbildung brachte uns zu dieser Überzeugung: Bohnen oder Erbsen beispielsweise werden jetzt eher weniger vom Wind weggetragen. Die fallen ab, an Ort und Stelle und genau dort wächst auch wieder eine neue Bohnen- oder Erbsenpflanze. Wer es zulässt, darf also im Garten viel dazu lernen.

Der blühende Lauch bildet Samen

Zu guter Letzt ist ein großer Vorteil dieser enormen Mulchschicht, dass das Wasser nicht so schnell verdunstet wie in umgegrabenen Beeten. Andere Gärtner schwören hier auf Mulchen durch Pflanzenreste, was wir bewusst komplett vermeiden. Was von der Pflanze fällt oder abgemacht wird, kommt auf den Komposthaufen, den wir mittlerweile natürlich auch angelegt haben. Der Grund dafür ist: Du kannst dadurch dein Schneckenaufkommen stark reduzieren. Wir haben damit die besten Erfahrungen sogar im vergangenen so verregneten Sommer 2021. Einzelne Schnecken hat Jens abgesammelt, aber in unserem Garten gibt es so gut wie keine Unterschlupfmöglichkeiten für sie. Vermeide es auch, eure Wege mit Holzlatten auszulegen. Das sind hervorragende Schneckenherbergen.

Nachteil des Anbauens ohne umzugraben

Vielleicht bist du ja – so wie wir – zu Beginn deiner Gärtnerkarriere noch nicht mit genügend Kompost ausgestattet, um deinen Garten zu füttern. Wir haben dieses Problem so gelöst, indem wir das örtliche Kompostwerk kontaktiert haben und uns dort mit ordentlich Grünschnitt-Kompost eingedeckt haben. Dort bekommst du diesen in Deutschland nämlich umsonst.

Unser erster Kompost aus dem Kompostwerk

Damit du nicht auf alle Ewigkeit auf das Kompostwerk angewiesen bist, zeigen wir dir in unserem Fernkurs, wie du deinen eigenen Kompost anlegst.