Pflanzenschutz

Insbesondere zu Beginn einer neuen Gartensaison, also im ganz frühen Frühjahr, kann unser Garten schon mal ein bisschen trostlos aussehen: Einerseits wächst noch nicht besonders viel und andererseits sind überall da, wo es schon etwas zu sehen gibt, was das Herz erwärmen ließe, Netze oder Vlies drüber.

Kleine, zarte, frisch ausgepflanzte Junpflanzen sowie ausgewachsene Gemüsepflanzen können vor verschiedenen natürlichen „Gefahren“ ein wenig behütet werden, auch wenn der Anblick von unbedeckten Beeten weitaus attraktiver scheint. Keine Sorge: Einige Pflanzen kommen ab einer bestimmten Größe und ab einer bestimmten Zeit im Jahr ganz ohne Schutz in Form von Netzen oder Vlies aus. Einige andere wiederum bedürfen – wie wir in der Saison 2021 schmerzlich lernen durften – ihr ganzes Leben eines Schutzes, wenn wir sie nicht zu einem großen, großen Teil an die Tierwelt verfüttern wollen. Dass diese unsere komplett unbehandelten Gemüse besonders attraktiv finden, wundert mich allerdings kein bisschen;).

Wie oben schon angedeutet, können wir verschiedene Gemüsepflanzen zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr auf verschiedene Weisen vor Tieren und anderen Naturgewalten schützen. So finden wir sie später in unserer Küche und anschließend wohlschmeckend auf unseren Tellern wieder. Anstatt sie diversen Tieren zum Fraß vorzuwerfen. Eine der großen Herausforderungen, denen wir uns stellen, ist, dass wir ohne chemische Keule arbeiten und unsere Lebensmittel dementsprechend natürlich wachsen dürfen.

Unter anderem durch zu große Freiheitsliebe und einem zu frühen Pflanztermin, fuhren wir einige Verluste in Sachen Kohlgewächse ein, was zur winterlichen Jahreszeit besonders ärgerlich ist, da die Auswahl sowieso schon begrenzt ist. Naja, nächstes Mal wissen wir es besser. Auch bei den für mich so wichtigen Karotten mussten wir auf einige Wurzeln verzichten, da die Mäuse (ob Wühl- oder andere Mäuse kann ich leider noch nicht unterscheiden) im Winter schneller waren als unsere Erntetermine. Übrig blieben in diesem Fall leere Karottenhülsen. Was wir mit diesen Nagetieren machen sollen, da sind wir noch nicht weiter, da diese unheimlich clever und (besonders in der kalten Jahreszeit) hungrig scheinen. Immerhin die ein oder andere Nachbarskatze unterstützt uns bei diesem Unterfangen.

Nun aber zu den Schutzmöglichkeiten, mit denen wir schon Erfolg haben:

Es ist von Vorteil, zu wissen, welche Tiere sich in der Umgebung so tummeln. Je nach Land, Klima, Umgebung gibt es mehr oder weniger davon. So kannst du einschätzen, was sich für dich lohnt und worauf du getrost verzichten kannst. Frag doch mal deine Nachbarn / andere Gärtner in der Umgebung nach ihren Erfahrungen.

Netze

Weiße Netze: Erdflohnetze; Grüne Netze: Vogelschutznetze

Zum Schutz vor verschiedenen Bedrohungen gibt es unterschiedliche Netze:

Alle Kulturschutznetze haben gemein, dass sie darauf abzielen, möglichst viel des lebensnotwendigen Sonnenlichts durchzulassen, während sie bestimmte gefährdende Tiere abhalten sollen. Während die weißen Erdflohnetze mit ihren feinen Maschen kleines Getier wie Erdflöhe davon abhalten sollen, sich über unser Gemüse her zu machen, können Schmetterlinge (wie die Kohlweißlinge) und Vögel schon von dem grobmaschigen grünen Vogelschutznetz abgehalten werden. Zwar haben wir den angeblich bei uns in der Nachbarschaft streunenden Hasen noch nicht gesehen, aber auch er / sie wird es mit den Netzen schwerer haben.

An dieser Stelle lege möchte ich dir ans Herz legen, besonders auf deine Kohlgewächse Acht zu geben. Dieses Jahr haben wir versucht unter anderem Rotkohl und Wirsing ohne ein Kulturschutznetz wachsen zu lassen. Es ging so in die Hose, dass beim Rotkohl 100% und beim Wirsing beinahe so viel von den Raupen der Kohlweißlinge aufgefressen wurden.

Auch beim Rosenkohl haben wir ähnliche Erfahrungen gemacht: Dieser wurde in der vergangenen Saison so groß, dass er die Erdflohnetze durch sein Wachstum anhob und diese sich vom Boden abhoben. Leider geschah das alles in der Zeit (ca. September / Oktober), als die Kohlweißlinge ihre Eier legten. Die Folge: Schwer befallene, abgefressene Rosenkohlpflanzen mit einer erhebliche Einbuße an Ertrag.

Vlies

Vlies hingegen hat einen ganz anderen Hintergrund: Wenn im frühen Frühling die ersten Jungpflanzen ihr neues Beetzuhause beziehen, kann es in unseren Gefilden in Deutschland doch noch sehr kalt werden, eiskalter Wind pfeifen und / oder Minusgrade erreichen. Diese Pflänzchen freuen sich über ein wenig Schutz. Hier kommt der Vlies ins Spiel. Auch er soll das Sonnenlicht durchlassen, Luftzirkulation ist möglich (im Gegensatz zu Folie) und gleichzeitig hält er die Pflanzen kuschelig warm. Auf dem rechten vorderen und hinteren Beet kannst du vielleicht erkennen, dass wir dort keine Bögen verwendet haben, um das Vlies von den Pflanzen fern zu halten. Das hat den Hintergrund, dass je weniger Platz ist, desto weniger kann die Wärme entweichen. Im Wachsen heben die Pflanzen das Vlies an und sind so überhaupt nicht gestört.

Erdflohnetze können aufgrund ihrer feinen Maschen übrigens ähnlich wie Vlies eingesetzt werden. Allerdings sind diese zu schwer als dass du sie einfach auf die Pflanzen legen kannst. Sie brauchen Bögen.

Erdflohnetz
Die Kohlsorten können vor dem Kohlweißling beschützt werden

Für welche Netze und Vlies wir uns entschieden haben, habe ich hier zusammengeschrieben.

Zaun

Unser ganzer Garten ist eingezäunt. In der näheren Umgebung befinden sich Wald und Felder, was darauf schließen lässt, dass Reh und Co nicht weit sind. Wir haben also einen recht hohen Wildzaun, ergänzend dazu die unteren ca. 40cm ist dieser verstärkt durch einen feinmaschigen Kaninchendraht. Wie schon weiter oben erwähnt, ist wohl auch der Hase hier zugange und weder seinen Hunger, noch den eines anderen vierbeinigen Vegetariers möchten wir mit unserem frischen Gemüse satt machen. Auch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen und hinzuhören: Was haben Land und Leute denn schon für Vierbeiner, die deinem Gemüse gefährlich werden könnte, beobachtet. Vielleicht findest du ja auch selber Spuren oder kannst von der landschaftlichen Umgebung eigene Schlüsse ziehen.

Mausefallen

Obwohl es uns zu Beginn sehr schwer gefallen ist, haben wir uns letzten Endes doch dazu entschieden, Mausefallen aufzustellen. Bei Wurzelgemüse, aber auch verschiedenen Kräuter sind die süßen kleinen Nager wirklich erbarmungslos. Es sind zwar schon einige Mäuse den Fallen zum Opfer gefallen, allerdings ist der Schaden unseren Rote Bete und Karotten nach wie vor mindestens im späten Herbst und Winter erheblich. Darum planen wir bei allem Gemüse, das wir ausbringen, immer 1/4 mehr ein. Unser großes Gartenvorbild sagt aus diesem Grund: „Du hast erst genug, wenn du zu viel hast.“ Zumindest für mich als Angsthase trifft das zu.

Drahtwurmfallen

Drahtwürmer sind kleine, gelbe, unterirdisch lebende Biester: Die Pflanze, an denen sie zugange sind (Bei uns waren es vorzugsweise Salate) sieht bis zum Schluss lebendig aus und plötzlich habe ich sie beim Abernten einfach in der Hand und es stellt sich heraus, dass die Wurzel komplett ausgehölt wurde. Zum Vorkommen der Drahtwürmer gibt es verschiedene Theorien, von denen ich keine als wahr oder falsch erkennen kann. In unserem ersten Gartenjahr tauchten sie in großer Zahl rund um die Salate auf. Geholfen haben wir uns mit Kartoffelfallen: Kartoffelscheiben an einem Zahnstocher und die Würmer, die sich daran aufhalten, regelmäßig absammeln. Die Ausbeute war reich, ob es einen Unterschied gemacht hat, kann ich nicht sagen. Ein riesiger Vorteil war: Wir haben die Kartoffelscheiben irgendwann an Ort und Stelle gelassen und siehe da; es wuchsen wunderbare, dicke Kartoffeln ein Jahr später daraus. Welche eine erfreuliche, willkommene Überraschung.

Folientunnel

Zu guter Letzt möchte ich noch auf unsere beiden Folientunnel eingehen. Durch diese ist es uns möglich, Tomaten- und Gurkenpflänzchen etwas früher zu pflanzen und etwas länger zu ernten. Ich habe den Eindruck, für Jahre wie 2021 haben sie sich auf alle Fälle gelohnt, denn die Tomatenpflanzen außerhalb des Tunnels sind allesamt an der Braun- / Krautfäule eingegangen. Im Tunnel hingegen haben sie überlebt. Ein weiterer großer Vorteil der Tunnel ist weiterhin, dass ein Anbau bestimmter Salate, Kräuter über den Winter hinweg gewährleistet ist, egal wieviel Schnee fällt.

In der kalten Jahreszeit nicht nur für unsere Pflanzen ein Zufluchtsort: Der Folientunnel

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren, vielleicht von uns lernen möchtest, freue ich mich, wenn Teil unseres Jahresfernkurses werden möchtest. Nähere Informationen findest du hier.